Ein Interview mit Stefanie Krausen zu der aktuellen Situation

Interview mit Stefanie Krausen, Geschäftsführerin von MilliTomm

zu der aktuellen Situation (Stand 02.06.2020)

Wie hast Du die letzten Monate erlebt?

Die letzten Monate waren für alle eine außergewöhnliche Situation. Die tägliche Routine war auf einmal nicht mehr vorhanden und unsere bisher bekannte Lebenssituation hat sich schlagartig verändert. Erschwerend für viele Eltern war nun nochmals eine erhöhte Doppelbelastung durch Home-Office und ganztägige Kinderbetreuung.

Auf der anderen Seite war von vielen Kindern die Freude zu hören, dass sie so viel Zeit mit der Familie verbringen konnten. Auch wenn natürlich die Freunde stark fehlten.

Wie ist in der Zeit bei MilliTomm gearbeitet worden?

Die Hygienebedingungen sind nochmals weiter hochgefahren worden, um ein mögliches Infektionsrisiko ausschließen zu können. Zudem wurde ein verstärkter Einsatz von Video- und Telefonkonferenzen angestrebt. 

Es war zwar alles irgendwie anders, hat aber trotzdem gut funktioniert. In der Zeit fehlten uns natürlich die vielen persönlichen Kontakte zu unseren Kunden auf den sonst stattfindenden Messen und Veranstaltungen.

 Zum Thema Kunden, wie verkauft Ihr nun?

Natürlich war und ist unser Online-Shop 24 Stunden für unsere Kunden geöffnet. Dabei stehen wir bei Fragen immer gerne zur Verfügung. Zudem haben wir uns regional noch stärker vernetzt.

Wie bewertest Du die aktuelle Situation in der Modeindustrie?

In der jetzigen Situation werden derzeit die kompletten Missstände in der Modeindustrie sichtbar. In den Produktionsländern, in denen es keine Sozialsysteme gibt, gibt es derzeit schlimme Zustände. Große Modemarken haben platzierte Aufträge storniert und die Produzenten sitzen nun auf einem riesigen Berg bereits produzierter und vorfinanzierter Ware, die nicht abgenommen wird. Folgeaufträge fehlen oder kommen schleppend. Dies führt zu einer hohen Entlassungswelle. Kein Job bedeutet kein Geld für Lebensmittel, da kein Sozialsystem diese Menschen auffängt. Man bedenke, es sind die Menschen, die Euer Lieblings-Shirt produziert haben. Sie wissen derzeit gerade nicht mehr weiter. Möchte ich wirklich als Kunde diese Modemarken weiter unterstützen, die nun ihre Lieferanten hängen lassen? Oder unterstütze ich gerade jetzt diejenigen, die es anders machen.

Die Einzelhandelsgeschäfte sitzen nun auch auf einem Berg Ware, die sie nicht verkaufen konnten, da die Läden geschlossen sein mussten. Viele Haben Angst um Ihre Existenz, weil sie der Meinung sind, die Frühjahrsmode im nächsten Jahr nicht nochmals anbieten zu können. 

Hier muss man sich doch mal die ernsthaft die Frage stellen, warum ist dies so. Bekleidung ist keine verderbliche Ware. Warum kann man diese nicht nach entsprechend guter Einlagerung im nächsten Jahr anbieten? Die Antwort ist einfach: Weil es dann nicht mehr der aktuelle Trend ist. 

Ist es jetzt nicht mal an der Zeit, unser bisheriges Verhalten zu überdenken. Ist es notwendig, dass ich mehr als 20 Kollektionen pro Jahr in den Läden angeboten bekomme? 

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen einen neuen Weg in der Textilindustrie zu gehen. Ich als Kunde kaufe bewußt weniger in einer hohen Grundqualität und bei Marken, die umsichtig und nachhaltig handeln.

Wie ist die Prognose für die nahe Zukunft?

Wir alle werden eine anspruchsvolle Zeit haben. Wie anspruchsvoll wird sich zeigen, je nachdem wie sich die Konjunktur und die Pandemie entwickelt. Aktuell ist es eher ein Fahren auf Sicht und ein häufiges Überdenken und Gegenlenken.

Was möchtest Du noch zum Schluss sagen?

An dieser Stelle möchte mich bei unseren Kunden bedanken, die uns in dieser Zeit bisher unterstützt haben. Genauso geht mein Dank an Lieferanten und Geschäftspartner.

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