Aktuelle Probleme in der Textilindustrie und nachhaltige Lösungsansätze

Aktuelle Probleme in der Textilindustrie und nachhaltige Lösungsansätze

 

1. Wodurch war die Mode in der Vergangenheit geprägt? :

  • Lifestyle
  • Glamour
  • Fashion-Events
  • Glitzer-Welt
  • in der Vergangenheit auf unendliches Wachstum ausgelegt
  • geprägt durch Spaßkäufe der Verbraucher
  • durchschnittlicher Kauf in Deutschland von 60 Kleidungsstücken/ Jahr
  • weltweiter Kauf von 80 Mrd. Stück / pro Jahr
  • ständig neue Kollektionen sollen das Verlangen nach neuen Käufen wecken

 

2. Realität:

  • zu viele Shops
  • zu viel Ware
  • von allem zu viel => Folge: Was nicht mehr verkauft werden kann, wird entsorgt  -> Unmengen an Müll
  • hohe Margen
  • hohe Insolvenz-Raten
  • neue Kollektionen, obwohl alte Warenbestände noch nicht verkauft
  • PRODUKTIONSKETTEN hinter verschlossenen Türen
  • komplexe Produktionsketten

→ Corona hat die Schwachstellen der Textilindustrie klar offen gelegt und bringt aktuell die alte Struktur ins Wanken
( durch Lockdown/ Geschäftsschließungen):

  • ausbleibende Kunden
  • Umsatzverluste
  • Ausfall Events
  • Reisebeschränkungen
  • hohe Lagerbestände
  • unsichere Zukunft
  • Produktionsstopp bzw. Nichtabnahme produzierter Waren ( Überlebenskampf da kein Geld für Lebensmittel in den Produktionsländern)

→ Die Produktion von Kleidung ist nicht annähernd so kompliziert wie die Produktion eines technischen Gerätes;
ABER: die Lieferkette innerhalb der Textilindustrie ist sehr komplex

 

 

3. kurzer Überblick Produktion

→ Bis ein Produkt fertig am Kleiderbügel hängt, sind etliche Arbeitsschritte nötig ( eine nähere Beschreibung findest Du in unserem Blogbeitrag, Wie entsteht ein T-Shirts). Hier folgt eine grobe Übersicht:

  • man benötigt Rohfaser z.B. Baumwolle, tierische Fasern (Wolle), Chemiefasern 
  • Spinnen zu Garnen
  • Stoff-Herstellung
  • Textilveredelung ( Vorbehandeln, Färben, Drucken...)
  • Schneiden und Nähen

→ während dieser Prozesse werden Unmengen an Pestiziden, Düngemittel, Wasser und Chemikalien benötigt 
→ Textilindustrie 2. größter Umweltverschmutzer auf der Welt

 

 

3.1. Naturfasern

 

  • Pestizide und Düngemittel (25 % weltweit verwendeter Insektizide kommen bei Baumwollproduktion zum Einsatz)

→ Verseucht das Grundwasser
→ Gefahr für Menschen vor Ort
→ in der EU bestehen 43 % der Bekleidung aus Baumwolle

  • hoher Wasserverbrauch ( konventionelle Baumwolle verbraucht 3.600-26.900 m3 Wasser / Tonne Baumwolle)
  • durch den Einsatz von Bio-Baumwolle können 91 % des Wasserverbrauchs gesenkt werden (Quelle: http://aboutorganiccotton.org/environmental-benefits/)

 

3.2. Chemiefasern

 

  • verbraucht nicht erneuerbare Ressourcen
  • jährl. Verbrauch 0,8 % des geförderten Erdöls
  • Mikroplastik im späteren Waschwasser
  • bei Produktion von einem Polyester T-Shirt werden ca. 5,5 kg CO2 produziert (Baumwolle ca. 2,1 kg CO2)

 

3.3. Textilveredelung:


→ 20 % der Wasserverschmutzung durch industrielle Abflüsse
→ Abwasser belastet mit Chemikalien
→ diese Stoffe sind schwer abbaubar
→ Menschen in der Umgebung leben mit diesen Gewässern und beziehen dort Ihr Wasser zum Trinken und Kochen

 

3.4. Weg zu mehr Nachhaltigkeit:

- Verwendung von Rohstoffen in Bio-Qualität
- Auswahl von alternativen Rohstoffen
- recyclingfähige Textilien / Kreislaufwirtschaft
- strenge Vorgaben Chemikalieneinsatz
- strenge Vorgaben Abwasserklärung
- hohe Qualität für längere Lebensdauer und somit Ressourcenschonung

 

4. involvierte Menschen in der Lieferkette

 

  • weltweit über 60 Millionen Beschäftigte
  • Näherinnen erhalten Hungerlohn/ unterhalb Existenzminimum
  • keine Arbeit – kein Geld – kein Essen – keine soziale Absicherung 
  • (Problem Corona und Nichtabnahme von bestellter und produzierter Ware/
  • in Bangladesch 50 % der Bestellungen durch Corona storniert bzw. nicht abgenommen)
  • ausgetrocknete Seen durch Rohstoffanbau
  • verschmutzte Flüsse
  • katastrophale Arbeitsbedingungen 
  • keine Wertschätzung der Ware ( von 1. Idee bis fertige Ware: 1 Jahr)
  • viel Handarbeit/ körperliche Anstrengung
  • Kinder-/ Sklavenarbeit
  • keine Rechte zu Gewerkschaftsgründung
  • keine Gleichstellung von Mann und Frau
  • fehlender Arbeitsschutz
  • fehlender Kündigungsschutz

     

  •  

 

Billiger Preis: Einer muss immer dafür bezahlen und wenn es die Menschen in den Produktionsländern sind!

Ein Schnäppchen T-Shirt für 5 € , was nur kurz getragen und dann im Müll entsorgt wird, wurde in vielen Arbeitsschritten und in unterschiedlichsten Ländern von Menschenhand unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt!

 

5. Verbraucher

 

  • Verbraucher haben es unglaublich schwer zu erkennen, was wirklich nachhaltig produziert wurde
  • viele Labels kreieren eigene Bio/ Faire Labels und betreiben Green-Washing
  • an führenden Siegeln orientieren wie (GOTS, IVN, Wearfair etc.)- Hier gibt es einen Blogbeitrag von uns- Was ist GOTS
  • neu hinzu gekommen ist der Grüne Knopf, der bisher nur die letzten 2 Verarbeitungsschritte Nassbehandlung, Zuschneiden und Nähen prüft, aber auf bestehenden Siegeln aufbaut- Hier ein Blogbeitrag von uns- Was ist der Grüne Knopf
  • weniger Kleidung kaufen, dafür aber zertifiziert in einer höhern Qualität zu einem höheren Preis
  • Second-Hand
  • Waschen von synthetischen Fasern → Auffangen von Mikroplastik

 

„Der Grüne Knopf gibt eine klare Orientierung beim Einkauf. Ich freue mich, dass
MilliTomm als eines der ersten Unternehmen das staatliche Siegel eingeführt und
als Vorreiter so auch früh Verantwortung übernommen hat. Denn wir müssen
Solidarität auch mit den Menschen zeigen, die unsere Kleidung herstellen. Gerade
in Zeiten der Coronakrise ist dies wichtiger denn je.“


- Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung -

 

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Bei Fragen bin ich erreichbar unter:
MilliTomm GmbH
Steinendorfer Str. 43
42699 Solingen
info@millitomm.de

Die vorangegangenen Punkte stammen aus einem Vortrag, den Frau Stefanie Krausen zum Thema nachhaltige Mode am 18.01.2021 gehalten hat.

Frau Stefanie Krausen ist die Mitgründerin und Geschäftsführerin von dem nachhaltigen Modelabel MilliTomm. Alle Produkte sind fair in Portugal produziert, GOTS und grüner Knopf zertifiziert.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.